Home

 Canarias24.com: Newsarchiv vom Oktober 2002

Dienstag, 29. Oktober 2002
NATO-Übung für Walsterben verantwortlich

Die veterinärmedizinischen Autopsieberichte haben das bestätigt, was von Anfang an als unleugbar galt: Der Tod von 14 Meeressäugern Ende September an der Küste Fuerteventuras steht in direktem Zusammenhang mit den Marineübungen der Nato-Flotte in diesem Gebiet. Anfang Oktober legten Experten der Universität Las Palmas dem regionalen Amt für Umweltpolitik ihren Bericht vor, der die Todesursache der Wale dem Militärmanöver zuschreibt.

Ein „starkes akustisches Signal“, das von den Aktiv-Sonars der Kriegsschiffe ausgesendet wird, ist die einzig plausible Diagnose, die bei den Untersuchungen der Walkadaver als Todesursache in Frage kommt. Bei den gestrandeten toten Walen konnte außer den inneren Blutungen, die zum Tod führten, keinerlei Krankheiten oder Verletzungen festgestellt werden. Es wurde sogar nachgewiesen, daß die Tiere noch kurz vor ihrem Tod Nahrung zu sich genommen hatten, da diese nicht verdaut worden war. „Die Tiere waren also vollkommen gesund“, so Experte Antonio Fernández, der damit die These untermauert, daß die hochsensiblen Orientierungsorgane der Wale durch die Signale der Aktiv-Sonars der Schiffe so stark beschädigt wurden, daß Gehirnblutungen zum Tod führten. Sogar für Laien erklärt sich diese Ursache einfach und verständlich: Die Orientierungs- und Gehörorgane der Wale reagieren auf die von den Sonars ausgesendeten für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbaren Frequenzen so wie das Gehör eines Menschen darauf reagieren würde, wenn man eine Pistole direkt neben dem Ohr abdrücken würde.

Die Tiere starben folglich aufgrund eines akuten Schocks verbunden mit Gehirnblutungen, ausgelöst durch die Aktiv-Sonars der an der Militärübung beteiligten Kriegsschiffe, beteuern die Experten.

Hart an der Grenze
Angesichts der eigentlich mehr als deutlichen Aussagen und Autopsieberichte der Veterinärmediziner wagt sich Verteidigungsminister Federico Trillo mit seinen Aussagen auf dünnes Eis. In erster Linie stellt er klar, daß es unverantwortlich sei, den Abzug der NATO-Marine zu fordern, „nur weil einige Meeressäuger gestorben sind“. Außerdem, so Trillo weiter, gebe es keinerlei stichhaltige Beweise dafür, daß die Schuld an dem Tod der Tiere dem Militär beziehungsweise den Sonars zuzuschreiben ist. „Bislang konnte niemand einen direkten Zusammenhang zwischen dem Walsterben und der Militärübung beweisen“, lautet die gewagte Aussage des Ministers auch nach Vorlage der Autopsieberichte der Uni Las Palmas. Und er fügte hinzu, daß die spanische Regierung keinerlei Absicht habe, künftig auf Militärübungen in kanarischen Gewässern zu verzichten. Die kanarische Regierung müsse nun entscheiden, ob sie sich für oder gegen Militärmanöver entscheidet. Regierungschef Román Rodríguez reagierte auf diese Herausforderung mit der Klarstellung, die kanarische Regierung sei nicht grundsätzlich gegen Militärmanöver, fordere jedoch die Sicherheit, daß die militärischen Übungen keinen Schaden anrichten.

Berichte und Gegenberichte
Die Krone setzte Federico Trillo seinen Äußerungen mit der Aussage auf, daß die Auswirkungen der Sonar-Anlagen auf die Organe der Meeressäuger nicht vor 2005 feststehen werden. Als Gegenbeweis für den Bericht der Uni Las Palmas legte Trillo einen über 160 Seiten langen Bericht auf Englisch vor, der das Ergebnis einer 1998 durchgeführten Studie eines Marine-Forschungszentrums dokumentiert. Darin heißt es unter anderem, daß es nicht möglich ist zu belegen, daß Radaranlagen und technische Apparate der Schiffe bei den Walen zu Orientierungsschwierigkeiten führen.

In einer Parlamentssitzung Mitte Oktober mußte Federico Trillo allerdings zugeben, daß „die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen dem Stranden der Wale und den Signalen der Kriegsschiffe nicht ausgeschlossen“ werden kann. Zur Beruhigung der Gemüter bot Trillo die Kooperationsbereitschaft des Verteidigungsministeriums an, um die Forschung der Ozeanographischen Institute bezüglich der Auswirkungen der Sonars auf die Meeressäuger zu unterstützen und somit Klarheit zu schaffen.

Harte Kritik an NATO-Befehlshaber
Juan Carlos Moreno, Generaldirektor für Umweltangelegenheiten der kanarischen Regierung, übte scharfe Kritik an den Reaktionen der NATO-Befehlshaber des Marinema-növers auf das Umweltdesaster. „Es ist ein schlimmer Angriff auf die Natur ausgeübt worden, auf den die Verantwortlichen der NATO-Marine keine angebrachte Antwort gegeben haben. Nachdem zahlreiche Wale gestrandet waren, wurde weder das Manöver unterbrochen, noch den Tieren geholfen, die an den Küstenstreifen strandeten, an denen Militärübungen durchgeführt wurden. Einige Verantwortliche des Manövers behaupteten sogar, daß die Übung nichts mit dem Tod der Tiere zu tun hat, ohne das Ergebnis der Autopsien abzuwarten und sich richtig zu informieren. Dies ist ein Zeichen der Gefühllosigkeit“, beklagt Moreno.


In Kooperation mit: Wochenspiegel

Dienstag, 15. Oktober 2002
Endlich Geld: Zahlungen für Unwetteropfer beginnen

Ein halbes Jahr ist nunmehr vergangen, seit ein über Santa Cruz verankertes Unwetter der Stadt eine wahre Sintflut brachte. "Land unter" hieß es in Teneriffas Hauptstadt am 31. März 2002. Nichts ging mehr. Binnen weniger als drei Stunden prasselten 232 Liter pro Quadratmeter nieder und verwandelten Straßen in reissende Flüsse, die auch vor Wohnhäusern nicht Halt machten. Acht Menschen starben und unzähligen Bewohnern der Inselhauptstadt wurden die Wohnungen überschwemmt. Einige Häuser wurden vollkommen von den Schlamm- und Geröllmassen zerstört.

Ende September erhielten nun die Opfer der Katastrophe endlich von der Gemeinde die versprochene finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser. Bis zu einem Höchstbetrag von 27.500 Euro wurden je nach Ausmaß des Schadens Schecks ausgestellt.

Unter den Empfängern herrschen die verschiedensten Meinungen. Einige sind für jede Spende dankbar und bezeichnen den Hilfsfonds der Gemeinde als nette, freiwillige Geste. Andere wiederum klagen, daß die 600 Euro, die sie erhalten haben, nicht einmal einen Bruchteil der Kosten decken werden. Trotzdem sind die meisten dankbar für die Unterstützung und monieren nur hinter vorgehaltener Hand, daß sie etwas spät kommt.

Auch in La Laguna erhielten die Opfer des Unwetters nun die angekündigten Hilfsgelder. Die Gemeinde verteilte Schecks an 31 betroffene Familien, die Schäden an ihrem Zuhause erlitten.
Insgesamt wurden in der Gemeinde 64 Anträge bearbeitet, durch die eine Gesamtsumme von 1,2 Millionen Euro an die Geschädigten verteilt werden wird. Die elf Familien, deren Zuhause durch das Unwetter komplett zerstört wurde, sollen noch vor Ende des Jahres die Schlüssel für ihr neues Heim erhalten. Insgesamt wurden in Santa Cruz und La Laguna 3.293 Anträge eingereicht, von denen bislang 3.070 bearbeitet wurden.


In Kooperation mit: Wochenspiegel

Mittwoch, 9. Oktober 2002
NATO-Manöver: Kriegsspiele versus Umweltschutz

Am 24. September herrschte auf Fuerteventura Krieg. Der Strand von Matasblancas wurde zum Feindgebiet. Zivilschutzeinheiten der spanischen Marine simulierten auf der Urlaubsinsel für den Ernstfall. An Land wurde die Evakuierung der Zivilbevölkerung eines Scheinlandes simuliert, das in einen internen Konflikt verstrickt ist. Vor der Küste lagen die Zerstörer, an anderer Stelle lauerte ein U-Boot und mehrere Militärmaschinen durchkreuzten den Luftraum.

Das Manöver war Teil der Marineübungen verschiedener NATO-Länder und der ständigen NATO-Flotte im Atlantik, die bis zum 26. September unter dem Namen Neotapón 2002 zwischen der Straße von Gibraltar und dem kanarischen Archipel durchgeführt wurden. Ein Flugzeugträger, über 20 Schiffe, darunter Minensuchboote, Zerstörer, etc. und eine 500-Mann starke Zivilschutzeinheit nahmen daran teil. An den Stränden staunten Urlauber in Badehose und Bikini über die aufwendige Aktion, die den Dreharbeiten zu einem Hollywoodfilm glich.
Doch die Dreharbeiten verwandelten sich vom Kriegsfilm zum Horrorstreifen. An den verschiedensten Punkten der Küste Fuerteventuras tauchten gestrandete Wale auf. Bis zum Abend des 24. September waren es fünfzehn. Trotz der Anstrengungen der Zivilschutztrupps, des Umweltamtes der Insel und vieler Freiwilliger gelang es nur, einige der orientierungslosen Tiere zu retten. Die verendeten Wale gehörten allesamt zur Familie der Schnabelwale (Ziphiidae), die als eine der am wenigsten erforschten Subspezies gilt. Die Größe dieser Wale reicht normalerweise von 4 bis 8 Metern, und die Bezeichnung Schnabelwal rührt von dem spitz zulaufenden Kopf her, der an einen Delphin erinnert. Die auf Fuerteventura gestrandeten Wale gehörten nach Auskunft der Experten, die die toten Tiere begutachteten und untersuchten, zu den Subspezies Ziphius cavirostris (Cuvier-Schnabelwal), Mesoplodon europaeus (Gervais-Schnabelwal) und Mesoplodon densirostris (Blainville-Schnabelwal).

"Ich glaube nicht, daß die Schiffe daran schuld sind"
Die Kanarische Regierung forderte die sofortige Beendigung der Marinemanöver vor Fuerteventura, um das Ausmaß der Naturkatastrophe nicht noch zu vergrößern, doch die Antwort der zuständigen Regierungsstelle lautete Nein. Das Manöver wurde auch am 25. September fortgesetzt. Zwei weitere Wale wurden an der Küste von Fuerteventura und Lanzarote tot aufgefunden. Marineadmiral Fernando Armada, mitverantwortlich für die Militärübung, möchte keinen Zusammenhang des Manövers mit dem massiven Walsterben sehen. "Ich glaube nicht, daß die Schiffe daran schuld sind", waren seine Worte. Währenddessen bezeichnete Pascual Calabuig, der als Experte bereits zahlreiche verunglückte Meeressäuger betreut und untersucht hat, es als "eine Beleidigung für die Intelligenz zu behaupten, daß die Manöver nichts mit dem Sterben der Wale zu tun haben". Verteidigungsminister Federico Trillo zeigte sich besorgt und teilte der Regionalregierung mit, es sei bereits eine Untersuchung eingeleitet worden, die die Ursache für den Tod der Tiere klären soll.

Die Expertenmeinung
Professor und Walexperte Michel André von der Uni Las Palmas erklärte das Stranden der Wale mit seiner Theorie über das Orientierungsorgan der Tiere, die er bereits wiederholt im Rahmen der Debatte um den Fährverkehr zwischen den Inseln dargelegt hat. In erster Linie macht er die Kriegsschiffe dafür verantwortlich, die nicht nur Unruhe in ansonsten friedliche Gewässer bringen, sondern mit ihrem Aktiv-Sonar die Tiere völlig um ihre Orientierung bringen. "Das Aktiv-Sonar mit niedriger Frequenz greift das Orientierungsorgan der Meeressäuger an und löst innere Blutungen aus. Die Tiere verlieren den Orientierungssinn, sind nicht mehr in der Lage Nahrung zu finden und sterben schließlich".

Admiral äußert "Bedauern über das zufällige Auftauchen toter Wale"
Während eines Treffens mit Regierungschef Román Rodríguez in Las Palmas äußerte Marineadmiral Fernando Armada, oberster Befehlshaber und Kommandoführer des Manövers, sein "Bedauern über das zufällige Auftauchen toter Wale während der Militärmanöver". Trotz erwiesener Präzedenzfälle in aller Welt, die das Gegenteil beweisen, versicherte Armada, nach seiner Erfahrung gebe es keinen Grund für die Annahme, daß Militärmanöver den Meeressäugern direkten Schaden zufügen.

Präzedenzfälle in aller Welt
Sowohl der spanische Walschutzverband SEC als auch die kanarische Regierung erinnerten daran, daß es nicht das erste Mal ist, daß Militärübungen eine Umweltkatastrophe dieser Art auslösen. Die auf Meeressäuger spezialisierte Mitarbeiterin des regionalen Umweltressorts, Erika Urquiola, berichtet über ähnlich tragische Ereignisse während Marinemanövern der Nato in Griechenland 1996; damals starben 12 Wale. "Seither sind Marinemanöver der NATO im Ionischen Meer verboten", so Urquiola.

Ähnlich tragische Ereignisse wurden auf Fuerteventura 1985 registriert (12 tote Wale) und 1987 (3 Wale). 1989 führte die spanische Marine ebenfalls eine Militärübung vor der Küste Fuerteventuras durch – 24 Schnabelwale wurden an die Küste angeschwemmt. Im Jahr 2000 passierte ähnliches vor der Küste Madeiras. Damals wurden drei gestrandete Schnabelwale zu der Zeit gesichtet, in der die NATO Militärübungen durchführte. Im selben Jahr starben auf den Bahamas sechszehn Meeressäuger. Die US-Navy mußte zugeben, daß sie die Schuld an dem Tod der Tiere traf.

Greenpeace schaltet sich ein
Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich eingeschaltet und eine "dringende Untersuchung" gefordert, um die Ursache für das massive Walsterben an Fuerteventuras Küste zu klären.

"Es ist absolut unannehmbar, daß die spanische Regierung ein Manöver dieser Art in Gewässern genehmigt, die als eines der wichtigsten Walschutzgebiete der Welt gelten", unterstrich die internationale Umweltschutzorganisation in einer Mitteilung, in der sie die spanische Regierung dazu auffordert festzustellen, wer die Verantwortung für die Katastrophe zu tragen hat.

Umweltverband WWF/ADENA klagt an
Der Vorsitzende von WWF/Adena auf den Kanaren, Ezequiel Navío, brachte das Walsterben ebenfalls mit den Militärübungen in Verbindung. Entrüstet stellte er fest, daß die kanarische Regierung sich einerseits verstärkt um den Schutz der Meeressäuger bemüht, während die spanische Regierung die Durchführung eines Marinemanövers duldet, das diese Anstrengungen zunichte macht. WWF/Adena-Canarias werde gegen diese Ereignisse vor der EU Anzeige erstatten, da Spanien den EU-Umweltauflagen unterliegt und damit auch an den gemeinschaftlichen Schutzprogrammen beteiligt ist.


In Kooperation mit: Wochenspiegel


 

 
| Home | Link anmelden | Eintrag ändern | Neue Seiten | Top Seiten | Zufällige Seite | Newsletter | Sitemap |

Copyright © 2000 by Alexander zur Linden. All rights reserved!